| Was der Winzer so zum Essen trinkt |
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Schwäbische Zeitung, 26.10.2011 (von Erich Nyffenegger) Hagnau Auf dem Burgunderhof in Hagnau existiert ein besondere r Mens ch, der im Leben die Dinge immer konsequent so gemacht hat, wie er es für richtig hielt. Klassischerweise beginnt eine gediegene Mahlzeit in mehreren Gängen mit einem Aperitif. Auf den Getränkekarten landauf landab stehen da meist die berühmten Drinks wie etwa Campari-Orange und weitere Flüssigkeiten mit bitterer Note. Denn, so lehrt es die klassische Schule, Bitteres fördert den Speichelfluss und regt den Appetit an. Auch ein perlendes Glas Prosecco oder Champagner hat sich als Aperitif etabliert. „Ja, klar. Kann man so machen“, fährt Heiner Renn dazwischen. Ich persönlich fange gern mit einem kühlen Glas Müller-Thurgau an.“ Mit Schwung gießt er etwas vom hauseigenen Vertreter dieser Weingattung ins Glas. Aber was ist das? Warum benutzt der Mensch kein kleines Weißweinglas wie üblich, sondern ein ausgewachsenes Burgunderglas, der sonst wuchtigem Rotwein vorbehalten ist? Zufall? Grad keine anderen Gläser gespült? „Nein, nein. Das ist schon Absicht. Ich bin einfach überzeugt, dass sich auch beim Müller-Thurgau die Aromen am besten in einem großen Glas entfalten. Nehmen Sie mal eine Nase voll!“ In der Tat, ein feiner Duft steigt so in die Nase empor, ein wenig Zitrusfrucht, ein bisschen Holunder – viele Geschmacksnoten schweben im Glase. Renns Weine räumen in schöner Regelmäßigkeit Preise ab – Gault Millau, Feinschmecker und viele Weinführer mehr listen Gewächse vom Burgunderhof auf vorderen Plätzen. Dabei ist er eigentlich formal gar kein gelernter Winzer, ein Kellermeister schon gar nicht. „Das habe ich mir nach und nach angeeignet. Wenn ich was nicht wusste, dann habe ich eben jemanden gefragt, der es wusste“, erklärt Renn. In den Anfangsjahren habe er natürlich Fehler gemacht. Aber dann: „Eines Tages saßen bei mir Weinbauexperten, und haben mich um Rat gefragt.“ Aber zurück zum Thema: Die allgemeine Lehrmeinung besagt, man reiche zu Fisch, leichtem Geflügel, Pasta und Gemüse einen nicht zu gehaltvollen Weißwein. „Klar. Kann man so machen“, sagt Renn wieder und kann keinen Grund erkennen, warum man dazu nicht auch einen Spätburgunder trinken sollte. „Wenn er ein bisschen gekühlt ist.“ Damit stellt er schon wieder eine Regel auf den Kopf, nämlich jene, die besagt, Rotwein habe bei rund 16 Grad serviert zu werden. „Das ist vor allem im Sommer nicht besonders angenehm.“ Und der Hauptgang, mit dunklem Fleisch oder herzhaftem Wild? Da muss es aber doch dann – wie es in allen Büchern zu lesen steht – ein wuchtiger Roter sein, oder? Heiner Renn lächelt. „Nein, nicht unbedingt.“ Er lobt wieder leidenschaftlich die Vorzüge eines Müller-Thurgau, der sich am Gaumen zurückhaltend gebe, nicht dominant und ohne Wucht, und gerade deshalb ist er mit allem vereinbar, was auf dem Teller liegt. „Ich trinke ihn sogar gern zu einem Hirschbraten.“ Selbst bei den typischen Getränken, die zum Abschluss eines Menüs gereicht werden, hält Heiner Renn nichts von starren Regeln. „Ja, einen guten Edelobstbrand kann man da durchaus reichen. Aber wenn er wirklich fein ist, dann passt der immer. Auch ohne Essen. Ganz bewusst.“ Für solche Anlässe hat Renn auf seinem Burgunderhof preisgekrönte Schnäpse, die er mit so viel Sorgfalt und Raffinesse destilliert, dass er für den halben Liter 140 Euro und mehr verlangen kann. Das Fazit des lehrreichen Besuchs auf dem Burgunderhof lautet: Natürlich kann man sich bei der Wahl der Getränke an den althergebrachten Kanon halten. Das schadet dem Genuss sicher nicht. Wenn der eigene Geschmackssinn oder die Lust aber alle Regeln bricht, dann kann man das natürlich auch ganz anders machen. Heiner Renn ist damit jedenfalls immer gut gefahren. |






